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Bambu Lab A2L im Test: Der beste XL-3D-Drucker unter 600Euro?

3D Druck Shop Nord
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Stell dir vor, du willst einen lebensgroßen Helm drucken. Beim normalen Drucker öffnest du deinen Slicer, seufzt, und fängst an, das Modell in Fragmente zu zerhacken. Acht Teile, zwölf Teile, je nach Drucker. Dann Kleben, Spachteln, Schleifen, die Nahtstellen wegarbeiten. Beim A2L öffnest du denselben Slicer und druckst einfach vier Teile. Das klingt nach einer kleinen Verbesserung. Es ist in Wirklichkeit ein komplett anderer Workflow.

Der Bambu Lab A2L ist seit dem 1. Juli auf dem Markt erhältlich und wir haben ihn uns genau angeschaut. Helme, Architekturmodelle, gelenkige Objekte, Vinyldekore, Tuschezeichnungen auf Karton. Dabei ist ein ziemlich klares Bild entstanden, mit echten Stärken und ein paar Punkten, die nicht verschwiegen werden sollten. Den wollen wir hier teilen, ohne Marketing-Schnack.

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Kaufgrund an: dem schieren Ausmaß des Bauraums. Zum Vergleich, der übliche Standard bei Bambu-Modellen der P- und X-Serie liegt bei 256 × 256 mm. Der A2L bietet auf beiden horizontalen Achsen deutlich mehr als dreißig Zentimeter bei einer Druckfläche von 330 × 320 mm und einer Druckhöhe von 325 mm. Das klingt nach Marketing-Zahlen, ist aber spürbar im Maker Alltag. Projekte, die man vorher mühsam zerteilen oder ganz aufgeben musste, lassen sich plötzlich als zusammenhängende Bauteile realisieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein lebensgroßer Stormtrooper-Helm, den wir in vier Teilen gedruckt haben. Kein Zerhacken, kein Kleben, kein Spachteln von Nahtstellen. Etwas Schmirgelpapier, fertig. Wer schon mal stundenlang Fragmente zusammengeklebt hat und danach trotzdem noch sieht, wo die Teile waren, weiß was das bedeutet. Das ist kein kleines Komfort-Feature, das ist ein komplett anderes Ergebnis.

Die 325 mm Druckhöhe sind genauso wenig nur auf dem Papier vorhanden. Ein Eiffelturm-Testdruck hat die volle Höhe bis zum letzten Millimeter ausgereizt. Wer viel druckt, kennt das Gefühl, wenn man im Slicer merkt, dass das Modell um zwei Zentimeter zu groß ist und man sich entscheiden muss: teilen oder verkleinern. Beim A2L stellt sich diese Frage deutlich seltener.

Genau hier stellt sich aber die naheliegende Frage, die jeder stellen sollte, der sich mit 3D-Druckern auskennt. Ein Bettschubser oder auch Bedslinger in dieser Dimension klingt nach einer schlechten Idee. Das Druckbett fährt auf der Y-Achse permanent vor und zurück, und wenn eine schwere Heizplatte dieser Größe bei modernen Druckgeschwindigkeiten hin- und her geschleudert wird, entstehen Resonanzen, die man anschließend als Wobbeln oder Lagenverschub/LayerShift im Druckbild sieht. Das ist keine Theorie, das ist Physik.

Bambu Lab hat das nicht ignoriert, sondern auf mehreren Ebenen gleichzeitig angegangen. Der untere Bereich der Z-Achse wurde massiv versteift, damit das Rahmenportal keine Chance hat sich zu verbiegen. Im Rahmen selbst sitzen interne Granulatdämpfer: Hohlräume, gefüllt mit feinen Partikeln, die beim Schwingen aneinanderreiben und kinetische Energie auf rein mechanische Weise schlucken, ohne Elektronik, ohne bewegliche Teile, die kaputt gehen könnten. Dazu kommt ein adaptives Input Shaping, das in höheren Z-Positionen die Resonanzfrequenzen in Echtzeit neu berechnet. Der Drucker weiß also, dass er bei 300 mm Höhe anders schwingt als bei 50 mm, und passt die Bewegungsprofile entsprechend an. Das Ergebnis ist verblüffend: Drucke sehen selbst ganz oben im Bauraum sauber aus, ohne sichtbares Wobbeln (Wenn man weiß was man tut, Kenner kennen es).

Ein moderner 3D-Drucker ist heute weniger durch sein Hotend limitiert als durch seinen Extruder. Hier setzt Bambu Lab auf ein servobasiertes System mit internem Encoder, dasselbe, das auch in den deutlich teureren Modellen der X- und P-Serie steckt. Der Encoder gibt der Software kontinuierliches Feedback über die tatsächlich geförderte Filamentmenge. Zu wenig Material? Das System merkt es. Düse verstopft? Alarm. Luftdruck statt Kunststoff? Abbruch. Was das im Alltag bedeutet: weniger fehlgeschlagene Drucke, gleichmäßigere Oberflächen, verlässliche Ergebnisse auch bei langen Aufgaben. Gerade bei einem Gerät dieser Größe, wo ein fehlgeschlagener Druck auch mal 35 Stunden und fast ein Kilogramm Filament kosten kann, ist das kein kleines oder unwichtiges Detail.

Beim Durchsatz liefert das Hotend bei Standard-PLA etwa 30 mm³/s. In der Software drosselt Bambu auf 21 mm³/s, was konservativ ist, aber perfekte Kanten garantiert. Wer möchte, kann das im Slicer manuell aufheben und spart bei wirklich großen Drucken locker eine Stunde reine Druckzeit. Düsen lassen sich werkzeuglos in unter einer Minute wechseln. Wer abrasive Filamente wie Carbon-PLA druckt, greift zur Variante aus gehärtetem Stahl, die man am schwarz lackierten Kühlblock sofort erkennt.

Und jetzt der Teil, weswegen viele den A2L kaufen werden oder kaufen sollten, wenn sie es noch nicht wissen. An der Frontseite des Druckkopfes befinden sich zwei Flügel, die beim normalen A1 nicht vorhanden waren. Auf diese Flügel lässt sich ein optionales Schneid- und Zeichenmodul aufstecken. Einbau: kein Werkzeug, unter fünf Minuten. Stecker hinten dran, Kappe ab, Modul rauf, verriegeln. Der Drucker erkennt das Modul automatisch, aktualisiert bei Bedarf seine eigene Firmware und kalibriert die beiliegende Schneidematte vollautomatisch über dutzende Messpunkte.

Mit dem eingesetzten Messer schneidet man Vinylfolie, Aufkleberfolie oder dünnes Kunstleder bis 0,5 mm Stärke. Für sehr feine Details lohnt sich ein 60-Grad-Messer aus dem Zubehör, das mitgelieferte 45-Grad-Messer stößt bei sehr kleinen Ecken manchmal an seine Grenzen. Der eigentlich faszinierende Teil ist aber das Zeichnen. Man zieht das Messer heraus, setzt einen Stifthalter ein, klemmt einen handelsüblichen Fineliner oder Marker rein und verwandelt den Drucker in einen mechanischen Zeichenroboter. Wir haben eine sehr detaillierte Landkarte gesehen, die das Gerät über dreieinhalb Stunden Linie für Linie auf Karton gebracht hat. Das Ergebnis hat eine Qualität und Charakter, die ein Tintenstrahldrucker schlicht nicht erreicht: Man sieht den Stiftdruck, das leichte Einarbeiten der Tinte ins Papier, die Haptik. Für mehrfarbige Zeichnungen plant die Software Haltepunkte ein, der Plotter pausiert, man wechselt die Stiftfarbe manuell, es geht weiter. Das klingt spartanisch, funktioniert aber laut Bambu erstaunlich gut. Die Software ist noch nicht perfekt, eine saubere Mittellinienerkennung fehlt bisher, und die Kamera kann noch nicht zur präzisen Positionierung genutzt werden. Aber für ein Modul, das 90 Euro kostet, ist das ein absurdes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bambu Lab hat den Aufbau konsequent vereinfacht. Vier Schrauben für die Basis, Druckbett festschrauben, Führungsschienen fetten, Kabel verbinden, fertig. Das dauert bei ruhigem Arbeiten keine dreißig Minuten, auch wenn man das zum ersten Mal macht. Danach übernimmt ein Einrichtungsassistent auf dem Touch-Display: App koppeln, Cloud-Account verbinden, automatische Kalibrierungsroutine starten. Der Drucker vermisst sein eigenes Bett, berechnet das Input Shaping und führt eine Motorgeräuschunterdrückung durch, bei der bestimmte Frequenzen aktiv ausgelöscht werden, was das typische Motorenrauschen deutlich dämpft. Das Ergebnis ist ein Drucker, der mit 49 bis 55 Dezibel im Betrieb tatsächlich im Büro oder im Klassenraum akzeptabel ist. Man hört ihn, aber es ist kein Störfaktor.

Der A2L ist als Einzelgerät oder in einer Kombi-Variante mit dem AMS Lite erhältlich. Neu ist ein verlängerter interner Filamentpuffer, durch den man keinen separaten Hub mehr braucht, um externe Spulen oder die größeren geschlossenen AMS-Systeme anzuschließen. Mehrfarbig drucken geht, Farbwechsel dauern 60 bis 90 Sekunden und erzeugen die bekannten Purging-Häufchen oder auch einfach Poop. Bei einem so großen Bauraum ist der Müll pro Farbwechsel anteilig weniger schlimm als bei kleineren Druckern, aber schön ist es trotzdem nicht. Für mich liegt die stärkste Anwendung des AMS am A2L woanders: im Backup-Modus. Wenn man einen 35-Stunden-Druck startet, der fast ein Kilogramm Filament braucht, lädt man einfach mehrere identische Rollen ein. Geht eine leer, fördert der Drucker den Rest heraus und fädelt automatisch die nächste ein. Nachts schlafen gehen, morgens fertiges Bauteil. Das klingt banal, spart aber im Leben viele Nerven.

Jetzt zu dem Punkt, bei dem ich ehrlich sein muss, weil das hier kein einfacher Werbebeitrag sein soll. Das Heizbett des A2L ist auf 80 Grad Celsius begrenzt. Der ältere, kleinere A1 kam auf 100 Grad. Das ist ein Rückschritt, und wir finden ihn zumindest erklärungswürdig. Rational betrachtet ist es kein echtes Problem, denn PLA, PETG und TPU, die einzigen Materialien, die dieser offene Drucker ohnehin praxistauglich verarbeiten kann, brauchen keine 100 Grad auf dem Bett. Eine Wärmebildkamera zeigt eine extrem gleichmäßige Wärmeverteilung über die gesamte Fläche, also keine kalten Ecken, keine Haftungsprobleme in der Praxis.

Die Frage ist nur: warum die Beschränkung? Die naheliegendste Erklärung ist dass Strom Budget des Netzteils, weil die riesige Heizfläche schlicht enorm viel Energie braucht. In unserem Team gibt es aber noch eine zweite Vermutung: Bambu Lab hat mit dem A1 bekanntlich unschöne Erfahrungen gemacht. Es gab Berichte über Brände, ausgelöst durch fehlerhafte Mainboards, was zu einem größeren Rückruf geführt hat. Es wäre gut vorstellbar, dass Bambu Lab beim A2L bewusst konservativer geblieben ist und die Betttemperatur als eine von mehreren Sicherheitsmaßnahmen nach unten korrigiert hat. Beweisen lässt sich das nicht, aber es würde einiges erklären. Wer die ganze Geschichte rund um den A1 Rückruf kennt, kann diese Theorie zumindest nachvollziehen.

Diesen Abschnitt schreibe ich, weil ich ihn wichtig finde, nicht um vom Kauf abzuhalten, sondern damit man eine informierte Entscheidung trifft. Bambu Lab betreibt ein relativ geschlossenes Ökosystem. Der Drucker funktioniert am reibungslosesten, wenn man die Cloud-Anbindung und die eigene Software nutzt. Es gibt einen Offline-Modus, aber einige smarte Funktionen sind dann eingeschränkt. In der Community gab es erhebliche Kritik, weil Bambu Lab rechtlich gegen Entwickler vorgegangen ist, die Drittanbieter-Software wie OrcaSlicer über inoffizielle Wege mit der Cloud verbunden hatten. Das hat für Empörung gesorgt, zumal Bambus eigene Software auf der Grundlage der Open-Source-Community PrusaSlicer aufbaut. Für die meisten Hobby-Anwender, die einfach drucken wollen, ist das kein Problem. Für alle, die maximale Kontrolle über ihre Geräte wollen oder grundsätzlich auf Open-Source-Lösungen setzen, ist es eine ernsthafte Überlegung wert.

Der A2L ist einer der interessantesten 3D-Drucker, die man gerade für unter 400 Euro kaufen kann. Nicht weil er perfekt ist, das ist er nicht, sondern weil er in seinen Kernstärken schlicht keine echte Konkurrenz in dieser Preisklasse hat. Wer regelmäßig große Objekte druckt, Cosplay macht, Requisiten baut, Architekturmodelle oder ausladende Dekorationsobjekte fertigt, für den verändert der Bauraum des A2L die Art zu arbeiten. Nicht graduell, sondern grundlegend. Man denkt anders, wenn man nicht mehr teilen muss. Das Plotter-Modul ist dabei kein Gimmick, sondern ein echtes zweites Gerät für 90 Euro. Wer Vinyl schneiden, T-Shirt-Designs ausschneiden oder mechanische Zeichnungen auf Papier und Karton erstellen will, bekommt hier eine Kombination, die es in dieser Preisklasse so nicht gibt. Klare Grenzen hat das Gerät trotzdem: kein ABS, kein Nylon, keine 100 Grad auf dem Bett, keine vollständige Unabhängigkeit vom Hersteller-Ökosystem. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann oder sie gar nicht braucht, findet beim A2L aktuell kaum ein besseres Gesamtpaket auf dem Markt.




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